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Dekubitus Hilfsmittel: 10 Lösungen zur Prophylaxe und Druckentlastung im Überblick
Ein Dekubitus wird im Volksmund auch Druckgeschwür oder Wundliegen genannt. Es handelt sich um eine lokal begrenzte Schädigung der Haut und des darunterliegenden Gewebes. Sie entsteht durch anhaltenden Druck und Scherkräfte auf Knochenvorsprünge.
Stellen Sie sich das Gewebe wie einen Schwamm vor. Wird er dauerhaft zusammengedrückt, kann das Blut nicht mehr ungehindert hindurchfließen. So werden die Zellen nicht mehr ausreichend versorgt.
Bis zu 30 Prozent der bettlägerigen Patienten in Pflegeeinrichtungen gelten als gefährdet. Geeignete Hilfsmittel zur Dekubitusprophylaxe bilden deshalb einen zentralen Baustein der Versorgung.
Grundsätzlich lassen sich diese Hilfsmittel in drei Gruppen einteilen:
- druckverteilende Systeme wie Matratzen und Sitzkissen
- lokale Entlastungshilfen wie Fersenschoner und Steißbein-Kissen
- ergänzende Produkte für Hautschutz und Mikroklima
Zu den wirkungsvollsten Lösungen zählen Wechseldruckmatratzen mit rotierenden Luftkammern und viskoelastische Weichlagerungsmatratzen. Auch Mikrostimulationssysteme gehören dazu. Sie können selbst bei schwer bewegungseingeschränkten Patienten kleinste Eigenbewegungen anregen.
Weichlagerungs- und Wechseldrucksysteme sind wissenschaftlich breit belegt. Zudem sind sie im Hilfsmittelverzeichnis der gesetzlichen Krankenversicherung gelistet. Mikrostimulation und Mikroklima-Management gewinnen durch aktuelle Studien zunehmend an Bedeutung.
Die folgende Übersicht begleitet pflegende Angehörige, Pflegefachkräfte und Betroffene. Sie reicht von der Langzeitpflege bis zur Nachsorge nach operativen Eingriffen. Die Bärle Kissen Manufaktur GmbH bietet unter der Marke VitaL Kissen spezialisierte Medizinprodukte für ergonomische Sitz- und Stützlösungen. Gefertigt werden sie in Deutschland.
Inhaltsverzeichnis
- Weichlagerungsmatratzen – Druckverteilung durch viskoelastische Schaumstoffstrukturen
- Wechseldruckmatratzen – Aktive Druckentlastung durch rotierende Luftkammern
- Anti-Dekubitus-Sitzkissen – Druckverteilung für Rollstuhlnutzer und sitzende Patienten
- Fersenschoner und Fersenfreilagerungskissen – Gezielte Entlastung druckgefährdeter Extremitäten
- Mikrostimulationssysteme – Förderung der Eigenbewegung zur Dekubitusprävention
- Lagerungskissen und Positionierungshilfen – Stabile 30°-Seitenlagerung und Körperausrichtung
- Steißbein-Entlastungskissen mit Ausschnitt – Druckreduktion im sensiblen Sakralbereich
- Orthopädische Hüftkissen – Ergonomische Sitzhaltung für Betroffene mit Hüftbeschwerden
- Mobile Sitzauflagen für das Fahrzeug – Druckentlastung auch unterwegs
- Hautschutzprodukte und Mikroklima-Management – Unterstützung der Hautintegrität
- Alle 10 Dekubitus Hilfsmittel im direkten Vergleich
- Worauf sollten Sie bei der Auswahl von Dekubitus Hilfsmitteln achten?
- Was ist Dekubitus und warum sind Hilfsmittel entscheidend?
- Fazit zu Dekubitus Hilfsmitteln: Welche Lösung passt zu welchem Bedarf?
- Häufig gestellte Fragen zu Dekubitus Hilfsmitteln
1. Weichlagerungsmatratzen – Druckverteilung durch viskoelastische Schaumstoffstrukturen
Beginnen wir mit der Grundlage. Weichlagerungsmatratzen sind die am häufigsten eingesetzte passive Lösung bei bettlägerigen Patienten. Sie bilden die Basisversorgung im ambulanten wie stationären Bereich. Dank ihrer breiten Evidenzlage und der einfachen Handhabung sind sie der Einstiegspunkt jeder Druckentlastungsstrategie.
Das Wirkprinzip lässt sich anschaulich beschreiben. Der temperatursensitive Schaumstoff reagiert auf die Körperwärme. Er verformt sich langsam wie weicher Lehm und schmiegt sich an die Körperkontur an. So vergrößert sich die Auflagefläche. Der punktuelle Druck auf gefährdete Knochenvorsprünge wie Kreuzbein, Ferse und Schulterblatt kann dadurch spürbar sinken.
Fachlich heißt dieser Vorgang „Immersion“. Gemeint ist die Einsinktiefe des Körpers ins Material. Je tiefer und gleichmäßiger der Körper einsinkt, desto breiter verteilt sich das Gewicht. Gleichzeitig sinkt der kapilläre Verschlussdruck im Gewebe.
Geeignet sind Weichlagerungsmatratzen besonders bei niedrigem bis mittlerem Risiko nach der Braden-Skala. Auch immobile Senioren, Menschen mit Diabetes oder neurologischen Erkrankungen profitieren von dieser sanften Form der Entlastung. Typische Einsatzorte sind das heimische Pflegebett, das Klinikbett sowie das Pflegeheim.
Der GKV-Spitzenverband weist dabei auf einen wichtigen Punkt hin: Die Zuweisung einer Matratze richtet sich nicht starr nach dem Dekubitusstadium. Maßgeblich sind vielmehr die individuellen Fähigkeitsstörungen und die verbleibende Eigenmobilität.
Zu den klaren Stärken zählen die geräuschlose Funktion und die geringe Wartung. Auch für den Langzeiteinsatz eignen sie sich, und das zu vergleichsweise günstigem Preis. Bei hohem Dekubitusrisiko (Grad 3 bis 4) oder bereits bestehendem Druckgeschwür stoßen sie jedoch an ihre Grenzen. In diesen Fällen sind aktive Wechseldrucksysteme indiziert. Passive Schaumstoffe können den notwendigen Druckwechsel nicht leisten.
2. Wechseldruckmatratzen – Aktive Druckentlastung durch rotierende Luftkammern
Weichlagerungsmatratzen reagieren passiv auf Druck. Wechseldruckmatratzen gehen einen Schritt weiter. Sie erzeugen eigenständig Druckveränderungen. Damit sind sie bei hohem Dekubitusrisiko oder bestehendem Druckgeschwür die richtige Wahl. Für komplexere Versorgungssituationen sind sie deshalb unverzichtbar.
Stellen Sie sich das Funktionsprinzip wie eine sanfte Welle vor, die durch die Matratze läuft. Luftgefüllte Kammern werden über ein integriertes Pumpsystem im Wechsel gefüllt und entleert. So können einzelne Körperbereiche zyklisch entlastet werden. Das kann die lokale Durchblutung fördern und Druckspitzen vermeiden. Die typischen Zykluszeiten liegen zwischen 5 und 12 Minuten. Fachlich spricht man hier vom Wechseldruckprinzip.
Auf diese Weise lässt sich das Lagerungsintervall verlängern. Damit ist die Zeit zwischen zwei manuellen Umlagerungen gemeint. Die pflegerische Zuwendung ersetzen diese Systeme jedoch nicht. Die neueste Generation arbeitet zusätzlich mit Sensortechnik. Diese passt den Innendruck kontinuierlich an Lage- und Positionsveränderungen an. So lassen sich starre, schmerzhafte Luftspitzen vermeiden.
Die Zielgruppe umfasst Patienten mit hohem Dekubitusrisiko, bestehendem Druckgeschwür (Grad 2 bis 4) und sehr eingeschränkter Eigenbewegung. Eingesetzt werden sie auf der Intensivstation, in der Palliativpflege sowie in der häuslichen Langzeitpflege. Wechseldruckmatratzen sind über das Hilfsmittelverzeichnis der GKV verordnungsfähig und bei ärztlicher Indikation erstattungsfähig.
Zu den wesentlichen Stärken zählen die hohe Wirksamkeit bei ausgeprägtem Risiko und die automatisierte Entlastung ohne manuelles Umlagern. Hinzu kommt die Verankerung in evidenzbasierten Leitlinien. Auf der anderen Seite stehen das hörbare Betriebsgeräusch der Pumpe und die Stromabhängigkeit. Bei instabiler Wirbelsäule oder nach bestimmten operativen Eingriffen ist eine ärztliche Abklärung zwingend erforderlich.
3. Anti-Dekubitus-Sitzkissen – Druckverteilung für Rollstuhlnutzer und sitzende Patienten
Nicht nur im Liegen, auch im Sitzen entsteht erheblicher Druck auf das Gewebe. Genau hier setzen spezielle Sitzkissen an. Für Rollstuhlnutzer sind sie zur Dekubitusprophylaxe unverzichtbar. Sie ergänzen die Matratzenversorgung genau dort, wo diese nicht wirken kann.
Medizinische Sitzkissen als Hilfsmittel zur Dekubitusprophylaxe gibt es in drei Bauformen. Jede verfolgt einen eigenen Ansatz:
- Viskoelastische Schaumkissen passen sich der Sitzfläche an und verteilen das Gewicht gleichmäßig.
- Gel-Kissen nutzen synthetische Fluide zur Druckverteilung und fördern zugleich die Wärmeableitung.
- Luftkammer-Sitzkissen erlauben eine individuelle Druckanpassung durch Befüllung einzelner Zellen.
Die kritischen Druckpunkte beim Sitzen liegen an den Sitzbeinhöckern, am Steißbein und am Trochanter major. Speziell für die Entlastung im Steißbeinbereich bietet die Bärle Kissen Manufaktur GmbH das VitaL Steißbeinkissen zur Druckentlastung an. Durch seinen charakteristischen Ausschnitt kann es direkten Druck auf den sensiblen Sakralbereich gezielt vermeiden.
Ein wichtiger Hinweis zur Kostenübernahme: Gemäß § 139 SGB V sind herkömmliche, rein rechteckige Schaumstoffkissen von der Leistungspflicht ausgeschlossen. Sie gelten als Gebrauchsgegenstände des täglichen Lebens. Anerkannte Anti-Dekubitus-Sitzkissen müssen dagegen nachweisbare Entlastungsmechanismen aufweisen, etwa synthetische Fluide, formstabile Gele oder Luftzellen.
Rollstuhlnutzer, Menschen mit Querschnittlähmung und geriatrische Patienten profitieren besonders. Das gilt vor allem, wenn sie mehrere Stunden täglich im Sitzen verbringen. Eingesetzt werden die Kissen im Rollstuhl, auf dem Pflegestuhl und auf dem Esszimmerstuhl bei längeren Mahlzeiten.
Zu den klaren Stärken gehören die Mobilität und die Flexibilität im Einsatz. Die Kissen lassen sich auf verschiedenen Sitzgelegenheiten nutzen. Häufig ist zudem eine Verordnung über die Krankenkasse möglich. Allerdings ist die Wirksamkeit ohne gleichzeitige Positionswechsel begrenzt. Luftkissen erfordern zudem eine Druckanpassung durch Fachpersonal. Und die unterschiedlichen Materialien bringen jeweils eigene Pflegeanforderungen mit sich.
4. Fersenschoner und Fersenfreilagerungskissen – Gezielte Entlastung druckgefährdeter Extremitäten
Die Ferse gehört neben dem Kreuzbein zu den häufigsten Lokalisationen von Druckgeschwüren. Kein Wunder, denn sie ist eine kleine, knöcherne Auflagefläche. Auf ihr lastet das Gewicht des Beins. Punktuelle Lösungen für diese gefährdete Stelle ergänzen flächige Matratzen- und Kissensysteme daher sinnvoll.
Zwei Prinzipien stehen zur Verfügung. Fersenschoner aus Schaumstoff oder Schafwolle können die Reibung und Scherkräfte an der Fersenoberfläche reduzieren. Den Kapillardruck auf das Fersenbein beseitigen sie jedoch nicht vollständig. Fersenfreilagerungskissen hingegen heben die Ferse vollständig von der Unterlage ab. Sie schwebt sozusagen in der Luft, ohne direkten Kontakt zur Auflagefläche.
Dieses Prinzip der vollständigen Fersenfreilagerung ist bei Patienten mit hohem Risiko das Mittel der Wahl. Laut DNQP-Expertenstandard ist die komplette Abhebung der Ferse bei bereits bestehender Schädigung oder sehr hohem Risiko zwingend erforderlich. Eine einfache Praxiskontrolle hilft: Bei korrekter Freilagerung lässt sich problemlos eine Hand unter die Ferse führen.
Bettlägerige Patienten mit eingeschränkter Beinmobilität zählen zu den wichtigsten Zielgruppen. Dazu kommen Menschen mit peripherer arterieller Verschlusskrankheit (pAVK), Diabetiker mit Neuropathie sowie postoperative Patienten. Der Einsatz erfolgt vorwiegend im Pflegebett, stationär wie häuslich.
Zu den Stärken zählen die gezielte Wirkung, die kostengünstige Beschaffung, die einfache Handhabung und die gute Kombinierbarkeit mit Matratzensystemen. Als Einschränkung ist das Verrutschrisiko zu nennen, sodass eine Fixierung häufig notwendig ist. Die regelmäßige Hautkontrolle unter dem Material bleibt in jedem Fall Pflicht.
5. Mikrostimulationssysteme – Förderung der Eigenbewegung zur Dekubitusprävention
Einen ganz anderen Weg gehen Mikrostimulationssysteme. Sie verfolgen einen aktivierenden statt nur entlastenden Ansatz. Die klassische Weichlagerung wird hier durch sensorische Rückmeldungen ergänzt. Konzeptionell setzen diese Systeme also dort an, wo passive Druckverteilung allein nicht mehr ausreicht.
Die Wirkweise lässt sich bildlich gut greifen. Spezielle Matratzenstrukturen aus Federkörpern oder Lamellen geben minimale taktile Reize ab. Diese wirken wie ein leises „Anstupsen“ für den Körper. Selbst bei schwer bewegungseingeschränkten Patienten können die Impulse kleine Eigenbewegungen auslösen. Diese können wiederum den Muskeltonus erhalten, die periphere Durchblutung fördern und die Körperwahrnehmung verbessern.
Im GKV-Hilfsmittelverzeichnis gelten Mikrostimulationssysteme als Schaumstoffmatratzen. Sie werden durch spezielle Rahmen und Steuergeräte beziehungsweise Aggregate ergänzt. So senden sie gezielt taktile Impulse an das Nervensystem. Damit grenzen sie sich technisch klar von reinen Weich- oder Wechseldrucksystemen ab.
Der pflegewissenschaftliche Begriff „Kinästhetik“ beschreibt die Wahrnehmung von Bewegung und Körperposition. Mikrostimulationssysteme unterstützen dieses Konzept. Denn sie machen selbst minimale Lageänderungen wahrnehmbar.
Wachkoma-Patienten, Menschen mit schweren neurologischen Erkrankungen, Demenzerkrankte mit Bewegungsarmut sowie Patienten mit Langzeit-Immobilität profitieren am stärksten von diesem Ansatz. Eingesetzt werden die Systeme vor allem in der neurologischen Frührehabilitation, der Palliativversorgung sowie in spezialisierten Pflegeeinrichtungen.
Der ganzheitliche Ansatz, die Förderung der Eigenaktivität und die Unterstützung der Wahrnehmung gehören zu den klaren Stärken. Auf der anderen Seite stehen hohe Anschaffungskosten und eine unvollständige Listung im Hilfsmittelverzeichnis. Auch die Evidenzbasis ist im Vergleich zu klassischen Systemen noch begrenzter.
6. Lagerungskissen und Positionierungshilfen – Stabile 30°-Seitenlagerung und Körperausrichtung
So hilfreich technische Systeme auch sind: Manuelle Positionswechsel bleiben trotz aller Innovationen unverzichtbar. Lagerungskissen sind dabei das wichtigste Werkzeug der pflegerischen Lagerungstechnik. Sie ermöglichen eine gezielte Körperausrichtung, die kein Matratzensystem allein leisten kann.
Es gibt sie in verschiedenen Formen und Füllungen: Keilkissen, Rollenkissen und Würfelkissen, gefüllt mit Schaum, Mikroperlen oder Granulat. Der pflegerische Standard ist die 30°-Seitenlagerung. Sie entlastet Kreuzbein und Trochanter gleichzeitig. Dabei wird der Körper in einem schrägen Winkel positioniert. So bleiben beide Druckpunkte sanft von der Auflagefläche fern. In dieser Technik sind Lagerungskissen ein unverzichtbarer Baustein der druckentlastenden Versorgung.
Typische Lagerungsintervalle liegen bei 2 bis 4 Stunden. Sie müssen aber individuell angepasst werden. Wer geeignete Keilkissen für die korrekte Positionierung sucht, findet weiterführende Hinweise zur Verwendung orthopädischer Keilkissen zur Positionierung.
Der DNQP-Expertenstandard betont einen wichtigen Punkt: Die wirksamste aller Maßnahmen bleibt die Förderung der Eigenbewegung und Mobilisation. Kissen sind lediglich unterstützende Hilfsmittel. Die pflegerische Kernaufgabe ersetzen sie nie.
Bettlägerige Patienten mit eingeschränkter Eigenbewegung, postoperative Patienten sowie Menschen mit Kontrakturen bilden die Hauptzielgruppe. Eingesetzt werden Lagerungskissen in der häuslichen Pflege, im Klinikbett und auf der Intensivstation. Pflegende Angehörige spielen bei der korrekten Anwendung eine entscheidende Rolle und sollten entsprechend angeleitet werden.
Vielseitigkeit, Kosteneffizienz, lagerungstechnische Flexibilität und die gleichzeitige Eignung zur Kontrakturprophylaxe zählen zu den Stärken. Allerdings entfalten Lagerungskissen ihre Wirkung nur in Kombination mit kompetenter Pflege. Der manuelle Aufwand und die regelmäßige Neupositionierung bleiben unverzichtbar.
7. Steißbein-Entlastungskissen mit Ausschnitt – Druckreduktion im sensiblen Sakralbereich
Das Steißbein ist beim Sitzen die am stärksten belastete Körperregion. Es ist ein kleiner, spitzer Knochen. Bei längerem Sitzen muss er das gesamte Gewicht des Oberkörpers tragen. Neben allgemeinen Sitzkissen ist hier eine gezielte lokale Entlastung im Sakralbereich für bestimmte Personengruppen unerlässlich.
Das charakteristische Merkmal dieser Kissen ist die U- oder hufeisenförmige Aussparung an der Rückseite. Durch diesen Ausschnitt kann direkter Druck auf das Steißbein vermieden werden. Das Körpergewicht verteilt sich stattdessen auf die Sitzbeinhöcker und die Oberschenkel. Der besonders empfindliche Sakralbereich bleibt so druckentlastet. Für Menschen, die eine gezielte Entlastung im Steißbeinbereich suchen, ist diese Bauform die medizinisch sicherste Wahl.
Vorsicht hingegen bei herkömmlichen runden Ringkissen, die optisch an einen Schwimmreifen erinnern. Sie geben keinen sauberen Halt, und der Sitz wird instabil. Am Innenrand entstehen Abschnürungen. Diese können einen Dekubitus eher fördern als verhindern. Genau aus diesem Grund wurden klassische Sitz- und Lagerungsringe in der Produktgruppe 11 der GKV ausdrücklich gestrichen.
Das VitaL Steißbeinkissen bietet hier eine durchdachte Alternative. Der präzise Ausschnitt im Sakralbereich, der charakteristische Winkel und die ergonomische Form ermöglichen einen geraden, stabilen und komfortablen Sitz. Der besonders druckempfindliche Bereich wird gezielt ausgespart, ohne dass es zu Abschnürungen kommt.
Menschen nach Steißbeinverletzungen und Schwangere mit Beschwerden im Beckenbereich profitieren besonders. Ebenso Rollstuhlnutzer mit beginnender Druckschädigung im Sakralbereich und Patienten nach proktologischen Eingriffen. Die Einsatzorte reichen von der Büroarbeit über Autofahrten bis hin zu Rollstuhl und Pflegestuhl.
Punktgenaue Entlastung, Mobilität im Einsatz und eine breite Materialauswahl (Memory-Schaum, Gel) gehören zu den Stärken. Bei großflächigem Dekubitusrisiko reichen diese Kissen jedoch nicht aus. Sie ergänzen klassische Sitzkissen, ersetzen sie bei Langzeit-Immobilität aber nicht.
8. Orthopädische Hüftkissen – Ergonomische Sitzhaltung für Betroffene mit Hüftbeschwerden
Orthopädische Hüftkissen schlagen die Brücke zwischen Dekubitusprophylaxe und orthopädischer Entlastung. Bei Menschen mit Hüftarthrose oder nach einer Hüft-OP erfüllen sie eine doppelte Funktion. Sie können das Gelenk entlasten und gleichzeitig Druckspitzen im Sitzbereich reduzieren.
Das VitaL Hüftkissen der Bärle Kissen Manufaktur GmbH ist zugleich ein orthopädisches Arthrodesenkissen. Es unterscheidet sich aber in einem entscheidenden Punkt von herkömmlichen Modellen. Klassische Arthrodesenkissen sind asymmetrisch aufgebaut: eine Seite hoch, die andere niedrig. Das kann zu einem Beckenschiefstand führen. Diesen muss die untere Lendenwirbelsäule mühsam ausgleichen, oft mit Folgen für den unteren Rücken.
Das VitaL Hüftkissen geht einen anderen Weg. Es ist symmetrisch und beidseitig abfallend konstruiert. So erhalten beide Hüftseiten die optimale Haltung. Es entsteht kein Beckenschiefstand, und die Wirbelsäule bleibt gerade.
Gefertigt wird das Hüftkissen Made in Germany, mit jahrzehntelanger Erfahrung in orthopädischer Sitz- und Stütztechnik. Bewusst kommt es ohne Memory-Schaum aus. Denn weiches Einsinken würde die medizinisch sinnvolle Beckenkippung zunichtemachen. Stattdessen sorgt ein langlebiger Spezialschaum für eine dauerhafte Stützfunktion. Integrierte Gumminoppen an der Unterseite geben sicheren Halt auf jedem Stuhl.
Das Wirkprinzip beruht auf einer gezielten Vorwärtskippung des Beckens. Der Hüftwinkel öffnet sich. Biomechanisch kann das drei Effekte unterstützen: einen reduzierten Gelenkdruck, eine physiologische Wirbelsäulenstellung und eine gleichmäßige Gewichtsverteilung auf die Sitzfläche. Gleichzeitig können Druckspitzen im Sakral- und Trochanterbereich reduziert werden. Das ist ein willkommener Effekt, der die Dekubitusprophylaxe aktiv unterstützen kann.
Dieser Gedanke ist der Kern unserer Entwicklungsarbeit. Er entspricht auch dem Leitgedanken von VitaL Kissen: „Sitzen, als ob man stehen würde.“
Beim Stehen und beim Sitzen nimmt das Becken eine unterschiedliche Position ein. Meistens haben Patienten im Stehen weniger Schmerzen. Deshalb ist es für sie sehr entlastend, wenn unser Kissen das Becken so ausrichtet, als ob man stehen würde.
Manfred Bärle, Geschäftsführer Bärle Kissen Manufaktur GmbH
Auch im Vergleich zu einfachen Keilkissen zeigt sich ein klarer Vorteil. Klassische Keilkissen sind im Grunde nichts anderes als eine schiefe Ebene. Man rutscht im Sitzen langsam nach vorne und landet am Ende auf dem Vorderzipfel. Die Wirkung verpufft so schlicht. Das VitaL Hüftkissen verhindert durch seine anatomische Form mit Abduktion genau dieses Vorrutschen.
In Kliniken kommen aus Kostengründen dennoch häufig einfache Keilkissen zum Einsatz. Sie sind günstig in der Anschaffung und in der Herstellung. Eine nachhaltige Lösung bieten sie jedoch nur selten.
Sie möchten nach einer Hüft-OP wissen, wie das Sitzen in der Genesungsphase gelingt? Weiterführende Informationen finden Sie im Beitrag zur Sitzdauer und Haltung nach Hüft-OP. Die Hilfsmittelnummer HMV 26.46.01.002 erleichtert Ärzten die Rezeptierung und Sanitätshäusern die Abrechnung.
Menschen mit Hüftarthrose bilden die Hauptzielgruppe. Dazu zählen Patienten in der Nachsorge nach Hüft-TEP oder Revisions-OP, Patienten mit Arthrodese sowie Rollstuhlnutzer mit Hüftbeschwerden. Anwendungskontexte sind die Schreibtischarbeit, längere Autofahrten, der Esszimmerstuhl und das Wartezimmer. Bis 2030 wird ein Anstieg der Hüftgelenks-Revisionen um 600 Prozent prognostiziert. Der Bedarf an gezielten Sitzlösungen wächst entsprechend.
Wie gut die Kissen im klinischen Alltag ankommen, zeigt ein aktuelles Beispiel aus unserer Praxis:
„Erst am Montag dieser Woche besuchte uns eine auf Hüftpatienten spezialisierte Physiotherapeutin. Sie hatte unsere Kissen zuvor in einer Klinik in Ulm im Einsatz gesehen und war so begeistert, dass sie einen Umweg von 50 Kilometern in Kauf nahm. Sie nahm zwei Kissen mit und möchte sie nun ihren Patienten empfehlen.“ – Manfred Bärle
- Doppelte Funktion: Das Kissen kann orthopädische Gelenkentlastung und Dekubitusprophylaxe in einem Produkt unterstützen.
- Medizinprodukt-Qualität Made in Germany: Gefertigt nach deutschen Qualitätsstandards mit langjähriger orthopädischer Erfahrung.
- Symmetrische Bauform: Beidseitig abfallend, ohne Beckenschiefstand und mit gerader Wirbelsäule.
- Geeignet für prä- und postoperative Phasen: Einsetzbar vor und nach Hüft-OPs als begleitende Unterstützung.
- Soziale Wertschöpfung: Die Fertigung in Kooperation mit einer Behindertenwerkstatt verbindet Qualität mit sozialer Verantwortung.
Bei hohem Dekubitusrisiko mit bestehendem Druckgeschwür ist das Hüftkissen allerdings kein Ersatz für aktive Wechseldrucksysteme. Im Sitzbereich ergänzt es flächige Lösungen sinnvoll, ersetzt diese aber nicht.
9. Mobile Sitzauflagen für das Fahrzeug – Druckentlastung auch unterwegs
Eine oft unterschätzte Risikosituation lauert im Auto. Lange Fahrten bedeuten für mobilitätseingeschränkte Menschen eine erhebliche Druckbelastung. Das gilt auch für pflegerische Transporte. Ohne geeignete Auflage können hier Gewebeschäden entstehen.
An dieser Stelle ist besondere Vorsicht geboten. Autositze sind aus Sicherheitsgründen bewusst so konstruiert, dass sie nach hinten abfallen. Das hat seinen guten Grund im Crash-Verhalten. Herkömmliche Autositzkissen berücksichtigen das jedoch nicht. Sie können die Sicherheitsgeometrie des Sitzes verändern und im Ernstfall ein erhebliches Sicherheitsrisiko darstellen.
Das VitaL Hüftkissen Auto MOBIL der Bärle Kissen Manufaktur GmbH wurde speziell für den Fahrzeugeinsatz entwickelt. Es ist bewusst flach gehalten. So bleibt die Sicherheitsgeometrie des Autositzes erhalten. Das Becken wird wie im Stehen aufgerichtet. Durch ein leichtes Anheben der Oberschenkel kann das Hüftgelenk entlastet werden. Das Kissen passt in normale Schalensitze, in Sportsitze allerdings nicht. Der Halt erfolgt unkompliziert über Gumminoppen an der Unterseite, ganz ohne aufwendige Befestigungssysteme.
So können Druckspitzen auf Steißbein und Sitzbeinhöcker reduziert werden. Gleichzeitig kann das Kissen Scherkräfte beim Bremsen, Beschleunigen und in Kurven verringern. Diese Scherkräfte verschieben Hautschichten gegeneinander, ähnlich wie aneinander reibende Papierblätter. Sie können tieferliegende Blutgefäße abquetschen. Eine rutschfeste Auflage ist daher entscheidend.
Berufspendler mit Rückenbeschwerden, Rollstuhlnutzer bei Krankentransporten und Senioren auf Reisen zählen zur Zielgruppe. Auch pflegende Angehörige profitieren, die Betroffene zu Arztterminen fahren. Eingesetzt werden die Kissen im PKW, im Transporter und in der Bahn.
Mobilität zu erhalten und Druckschädigungen auch außerhalb der Wohnumgebung zu verhindern, das sind die wesentlichen Stärken. Auch das geringe Gewicht und die einfache Mitnahme sprechen für diese Produktgruppe. Mobile Sitzauflagen eignen sich vorrangig für kürzere bis mittellange Strecken. Regelmäßige Pausen bleiben unverzichtbar. Spezialisierte Rollstuhlkissen können sie bei entsprechender Indikation nicht ersetzen.
10. Hautschutzprodukte und Mikroklima-Management – Unterstützung der Hautintegrität
Zum Abschluss richten wir den Blick auf eine oft unterschätzte Ebene: den Hautschutz. Hautschutzprodukte ergänzen alle physikalischen Hilfsmittel um eine hautpflegerische Komponente. Denn Dekubitusprophylaxe ist niemals rein mechanisch. Die Hautintegrität als biologische Schutzbarriere muss gleichwertig gesichert werden.
Im Zentrum des Mikroklima-Managements stehen drei Produktgruppen:
- Hautschützende Cremes mit Zink oder Dexpanthenol können die Hautbarriere gegen mechanische Einflüsse und Feuchtigkeit stärken.
- Feuchtigkeitsspendende Lotionen können die Hautelastizität erhalten und Rissen vorbeugen. Solche Risse können sonst zu Eintrittspforten für Keime werden.
- Atmungsaktive Bezüge und Inkontinenzmaterialien steuern das Mikroklima zwischen Haut und Auflage.
Zu hohe Feuchtigkeit und Wärme schwächen die Hautintegrität erheblich. Stellen Sie sich aufgeweichte Haut wie eingeweichtes Papier vor. Sie reißt bei geringster Reibung auf und bietet Keimen eine ideale Ansiedlungsfläche.
Der Expertenstandard warnt deshalb ausdrücklich vor „Mazeration“ durch Überpflegung. Gemeint ist eine zu feuchte Hautumgebung, etwa durch übermäßigen Salbeneinsatz oder schwitzbedingte Stauung. Wer bei der Auswahl einer Salbe das Mikroklima im Blick behalten möchte, setzt auf hochgradig atmungsaktive Formulierungen und stimmt die Anwendungsmenge sorgfältig ab.
Im Fokus stehen inkontinente Patienten, bettlägerige Menschen mit starkem Schwitzen sowie Menschen mit trockener oder empfindlicher Altershaut. Anwendungskontexte sind die tägliche Grundpflege, der gezielte Einsatz bei sichtbarer Hautrötung (Kategorie-1-Dekubitus) sowie die begleitende Anwendung zu Matratzen und Sitzkissen.
Die einfache Integration in die Pflegeroutine, die gezielte Stärkung der Hautbarriere und die evidenzbasierte Wirkung bei korrekter Anwendung sind die klaren Stärken. Ohne gleichzeitige Druckentlastung entfalten Hautschutzprodukte jedoch keine ausreichende Wirkung. Bei offenen Wunden ist zudem die Abstimmung mit einem Arzt zwingend erforderlich.
Alle 10 Dekubitus Hilfsmittel im direkten Vergleich
Welches Hilfsmittel das passende ist, hängt von mehreren Faktoren ab: vom individuellen Dekubitusrisiko, von der verbleibenden Mobilität, vom Hauptaufenthaltsort (Bett, Stuhl, Rollstuhl oder Fahrzeug) sowie von bestehenden Vorerkrankungen. Ein ergonomisches Sitzkissen zur Druckentlastung kann die Matratzenversorgung sinnvoll ergänzen. Denn ein Dekubitus entsteht häufig gerade durch langes Sitzen. Die folgende Tabelle stellt die wichtigsten Eigenschaften der 10 Hilfsmittel gegenüber. So erhalten Sie eine schnelle Orientierung.
| Hilfsmittel | Einsatzbereich | Dekubitusrisiko | Hauptnutzen | Krankenkassen-Verordnung |
|---|---|---|---|---|
| Weichlagerungsmatratze | Pflegebett, Klinik, Heim | Gering bis mittel | Passive Druckverteilung | Meist möglich |
| Wechseldruckmatratze | Klinik, Langzeitpflege, Intensiv | Mittel bis hoch | Aktive Zyklus-Entlastung | Meist möglich |
| Anti-Dekubitus-Sitzkissen | Rollstuhl, Pflegestuhl, Stuhl | Gering bis mittel | Druckverteilung beim Sitzen | Meist möglich |
| Fersenschoner / Freilagerungskissen | Pflegebett, stationär und häuslich | Mittel bis hoch | Fersenentlastung lokal | Meist möglich |
| Mikrostimulationssystem | Neurologie, Palliativ, Reha | Mittel bis hoch | Aktivierung von Eigenbewegung | Eingeschränkt möglich |
| Lagerungskissen / Positionierungshilfe | Pflegebett, Klinik, häuslich | Gering bis hoch | Stabile Körperausrichtung | Meist möglich |
| Steißbein-Entlastungskissen | Stuhl, Rollstuhl, Auto, Büro | Gering bis mittel | Lokale Sakral-Entlastung | Eingeschränkt möglich |
| Orthopädisches Hüftkissen | Stuhl, Auto, postoperativ | Gering bis mittel | Gelenkentlastung + Prophylaxe | Eingeschränkt möglich |
| Mobile Sitzauflage Fahrzeug | PKW, Transporter, Bahn | Gering bis mittel | Druckschutz unterwegs | Eingeschränkt möglich |
| Hautschutzprodukte | Begleitend zu allen Systemen | Alle Stufen | Schutz der Hautintegrität | Meist möglich (Grundpflege) |
Worauf sollten Sie bei der Auswahl von Dekubitus Hilfsmitteln achten?
Die Auswahl geeigneter Hilfsmittel zur Dekubitusprophylaxe lässt sich nicht pauschal treffen. Sie muss individuell bestimmt werden, anhand des Dekubitusrisikos, der Lebenssituation und medizinischer Begleitfaktoren. Als gängiges Instrument zur Risikobewertung hat sich die Braden-Skala etabliert. Pflegekräfte, Ärzte und Sanitätshäuser sollten in die Auswahl einbezogen werden. Gerade bei der Frage, welche Anti-Dekubitus-Kissen die Krankenkasse übernimmt, ist fachliche Beratung unerlässlich.
- Dekubitusrisiko einschätzen: Die Braden-Skala bewertet sechs Risikofaktoren (Sensorik, Feuchtigkeit, Aktivität, Mobilität, Ernährung sowie Reibung und Scherkräfte) mit maximal 23 Punkten. Werte zwischen 15 und 18 Punkten zeigen ein geringes bis allgemeines Risiko an. Hier reichen passive Systeme wie Weichlagerungsmatratzen aus. Werte unter 9 Punkten weisen auf ein sehr hohes Risiko hin und erfordern aktive Wechseldrucksysteme.
- Hauptaufenthaltsort berücksichtigen: Wer überwiegend im Pflegebett liegt, benötigt primär eine geeignete Matratze. Wer hingegen viele Stunden täglich sitzt, ist auf spezialisierte Sitzkissen angewiesen. Rollstuhlnutzer haben dabei andere Anforderungen als Patienten, die nur gelegentlich im Auto transportiert werden.
- Hautzustand und Mikroklima prüfen: Inkontinenz, starkes Schwitzen und empfindliche Altershaut erhöhen die Feuchtigkeit an der Hautoberfläche und senken die Geweberesistenz. Die Materialwahl des Hilfsmittels muss daher auf ausreichende Atmungsaktivität und Feuchtigkeitsableitung ausgerichtet sein.
- Vorerkrankungen beachten: Diabetes mellitus reduziert die Durchblutung und die Wundheilungsfähigkeit. pAVK verringert die Gewebeoxygenierung. Neurologische Erkrankungen schränken die Wahrnehmung von Druckschmerz ein. All diese Faktoren erhöhen das individuelle Risiko spürbar.
- Verordnungs- und Kostenfrage klären: Viele Anti-Dekubitus-Hilfsmittel sind im Hilfsmittelverzeichnis der GKV gelistet und bei ärztlicher Verordnung erstattungsfähig. Der Weg führt über die ärztliche Verordnung, das Sanitätshaus und die Genehmigung durch die Krankenkasse. Für das VitaL Hüftkissen ist beispielsweise die Hilfsmittelnummer HMV 26.46.01.002 relevant. Gesetzliche Zuzahlungen und Hilfsmittelpauschalen sollten vorab abgeklärt werden.
Was ist Dekubitus und warum sind Hilfsmittel entscheidend?
Ein Dekubitus bezeichnet eine lokal begrenzte Schädigung der Haut und der darunterliegenden Gewebestrukturen. Er entsteht durch anhaltenden Druck, Reibung oder Scherkräfte auf gefährdete Körperstellen. Die Durchblutung im betroffenen Gewebe wird komprimiert, und Zellen sterben ab. Ohne Entlastung können tiefe Wunden entstehen, die bis auf den Knochen reichen.
Das Europäische Druckgeschwür-Beratungsgremium (EPUAP) unterscheidet vier Kategorien:
- Kategorie 1: nicht wegdrückbare Hautrötung bei intakter Haut
- Kategorie 2: oberflächlicher Gewebedefekt
- Kategorie 3: vollständiger Hautverlust
- Kategorie 4: vollständiger Gewebeverlust mit freiliegenden Knochen, Sehnen oder Muskeln
Ergänzend wurden zwei weitere Klassifizierungen aufgenommen: „Dekubitus keiner Kategorie zuordenbar, Tiefe unbekannt“ sowie „Vermutete tiefe Gewebeschädigung, Tiefe unbekannt“. Sie machen eines deutlich: Der sichtbare Hautschaden ist oft nur die Spitze des Eisbergs. Tieferliegende Strukturen können bereits schwer geschädigt sein, auch wenn die Oberfläche noch harmlos aussieht.
Die Hauptursache ist Immobilität. Wer sich nicht selbst bewegt oder bewegt wird, erfährt anhaltend hohen Druck auf Knochenvorsprünge wie Kreuzbein, Ferse oder Schulterblatt. Scherkräfte beim Lagern sowie eine schlechte Durchblutung verschärfen das Risiko zusätzlich. Wichtige Risikofaktoren sind hohes Alter, Mangelernährung, Diabetes, Inkontinenz und Bewusstseinsstörungen. Auch das Mikroklima spielt eine entscheidende Rolle. Erhöhte Feuchtigkeit und Temperatur weichen das Gewebe auf. Sie senken die Belastungsgrenze der Haut erheblich.
Geeignete Hilfsmittel zur Dekubitusprophylaxe bilden die Grundlage jeder präventiven Strategie. Sie verteilen Druck, entlasten gefährdete Körperregionen und ergänzen pflegerische Maßnahmen wie regelmäßige Lagerungswechsel. Am wirksamsten ist nach heutigem Wissensstand eine Kombination. Sie verbindet die mechanische Entlastung durch Matratzen und Kissen mit dem dermatologischen Schutz durch Hautschutzprodukte.
Fazit zu Dekubitus Hilfsmitteln: Welche Lösung passt zu welchem Bedarf?
Eine wirksame Dekubitusprophylaxe ruht auf drei Säulen: druckverteilende Systeme wie Matratzen und Sitzkissen, lokale Entlastungshilfen für Ferse und Steißbein sowie ergänzende Hautschutzprodukte für das Mikroklima. Welches Hilfsmittel im Einzelfall sinnvoll ist, richtet sich immer nach dem individuellen Risiko, dem Hauptaufenthaltsort und den vorliegenden Erkrankungen. Weichlagerung und Wechseldruckmatratzen bilden das wissenschaftlich fundierte Rückgrat. Spezialisierte Produkte für Ferse, Steißbein, Hüfte und Haut ergänzen sie.
Ob in der häuslichen Langzeitpflege, im stationären Pflegeheim, im Rollstuhlalltag oder in der Nachsorge nach einer Hüft-OP: Die Auswahl sollte stets gemeinsam mit Pflegefachkräften, Ärzten oder dem Sanitätshaus erfolgen. Auch die Möglichkeiten der Krankenkasse zur Kostenübernahme sollten frühzeitig geprüft werden.
Menschen mit Hüftbeschwerden oder nach einer Hüftgelenks-Operation finden im VitaL Hüftkissen der Bärle Kissen Manufaktur GmbH eine passende Lösung. Sie kann orthopädische Entlastung und Dekubitusprophylaxe in einem Produkt verbinden. Durch die symmetrische, beidseitig abfallende Bauform geschieht das sogar ohne Beckenschiefstand.
Hilfsmittel sind dabei stets das Fundament der Prävention. Ihre volle Wirkung entfalten sie jedoch nur als Teil einer umfassenden Pflegeroutine. Dazu gehören auch Ernährung, Flüssigkeitszufuhr und der Erhalt von Selbstständigkeit.
Häufig gestellte Fragen zu Dekubitus Hilfsmitteln
Welche Hilfsmittel gibt es zur Dekubituslagerung?
Zu den zentralen Hilfsmitteln für die Dekubituslagerung zählen Weichlagerungsmatratzen, Wechseldruckmatratzen sowie Lagerungskissen in Form von Keil-, Rollen- und Würfelkissen. Der pflegerische Standard ist die 30°-Seitenlagerung, die Kreuzbein und Trochanter gleichzeitig entlastet. Bei niedrigem Risiko sind passive Systeme ausreichend. Bei hohem Risiko sind aktive Wechseldrucksysteme indiziert. Lagerungsintervalle liegen typischerweise bei 2 bis 4 Stunden und müssen individuell angepasst werden.
Welche Hilfsmittel sind für eine Druckentlastung geeignet?
Zu den wichtigsten druckentlastenden Hilfsmitteln bei Dekubitus gehören Weichlagerungs- und Wechseldruckmatratzen, Anti-Dekubitus-Sitzkissen, Fersenfreilagerungskissen sowie Steißbein-Entlastungskissen. Flächige Lösungen wie Matratzen eignen sich für die großflächige Versorgung. Punktuelle Hilfsmittel wie Fersen- oder Steißbeinkissen entlasten dagegen gezielt gefährdete Zonen. Besonders wirksam ist die Kombination mehrerer Hilfsmittel. Eine professionelle Beratung durch Pflegefachkräfte oder das Sanitätshaus wird ausdrücklich empfohlen.
Übernimmt die Krankenkasse die Kosten für Anti-Dekubitus-Hilfsmittel?
Viele Anti-Dekubitus-Hilfsmittel sind im Hilfsmittelverzeichnis der GKV gelistet und bei ärztlicher Verordnung erstattungsfähig. Typische Beispiele sind Wechseldruckmatratzen, Sitzkissen und Fersenschoner. Das Hilfsmittelverzeichnis der Produktgruppe 11 fokussiert dabei streng auf Produkte, die durch Druckentlastung einem Dekubitus vorbeugen oder begleitende Risikofaktoren mindern. Der Weg zur Kostenübernahme führt über die ärztliche Verordnung, das Sanitätshaus und die Genehmigung durch die Krankenkasse. Für das VitaL Hüftkissen ist die Hilfsmittelnummer HMV 26.46.01.002 relevant. Gesetzliche Zuzahlungen und Hilfsmittelpauschalen sollten vorab geklärt werden.
Die bereitgestellten Informationen ersetzen keine medizinische Beratung und können den Besuch bei einem Arzt oder die Einnahme verordneter Medikamente nicht ersetzen.
Manfred Bärle
MEDIZINISCHER HINWEIS
Die hier beschriebenen Informationen dienen nur der Aufklärung und ersetzen keine ärztliche Beratung. Bitte konsultieren Sie bei Gesundheitsfragen immer einen Arzt. Lesen Sie hier alle rechtlichen Hinweise.



