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Dekubitus: Ursachen, Symptome und wirksame Behandlung des Druckgeschwürs
Ein Dekubitus ist ein Druckgeschwür der Haut und des darunterliegenden Gewebes, das durch anhaltenden Druck auf eine Körperstelle entsteht (medizinisch Druckulkus genannt). In der Pflege gehört diese Form der Gewebeschädigung zu den häufigsten und zugleich belastendsten Komplikationen. Betroffen sind vor allem bettlägerige, immobile und pflegebedürftige Menschen. In deutschen Pflegeheimen liegt die Häufigkeit von Druckgeschwüren der Grade 1 bis 4 bei etwa 3,8 bis vier Prozent. Anders als eine kurze Hautrötung oder eine vorübergehende Druckstelle reicht ein Dekubitus von einer oberflächlichen Rötung bis zur tiefen Gewebezerstörung und wird in vier Schweregrade unterteilt.
Dieser Ratgeber erklärt verständlich, welche Ursachen dahinterstecken, an welchen Symptomen Sie ein Druckgeschwür frühzeitig erkennen und welche Maßnahmen bei Behandlung und Vorbeugung wirklich helfen. Über den Verlauf entscheiden vor allem zwei Dinge: das frühe Erkennen und eine konsequente Vorbeugung. Eine zentrale Rolle spielen dabei druckverteilende Sitz- und Lagerungshilfen.
Inhaltsverzeichnis
- Was ist ein Dekubitus?
- Welche Dekubitus Grade (Stadien) gibt es?
- Was sind die Ursachen von Dekubitus?
- Was sind die Symptome von Dekubitus?
- Wie wird Dekubitus behandelt?
- Welche Auswirkungen hat ein unbehandelter Dekubitus?
- Wie lässt sich Dekubitus vorbeugen?
- Wie wird Dekubitus diagnostiziert?
- Fazit zu den Ursachen, Symptomen und Behandlung von Dekubitus
- Häufig gestellte Fragen zu Dekubitus
Was ist ein Dekubitus?
Ein Dekubitus ist eine örtliche Schädigung der Haut und des darunterliegenden Gewebes. Ausgelöst wird sie durch anhaltenden Druck, durch Scherkräfte oder durch beides zusammen. Im Alltag sind dafür auch die Begriffe Druckgeschwür, Druckulkus und Wundliegen gebräuchlich. Es handelt sich um eine ernst zu nehmende Komplikation, die vor allem pflegebedürftige Menschen, Rollstuhlnutzer und bettlägerige Patienten trifft, deren Beweglichkeit über längere Zeit stark eingeschränkt ist.
Der Grund ist im Kern einfach: Wird Gewebe länger zusammengedrückt, als es verträgt, kommt die Durchblutung zum Erliegen. Das Gewebe erhält keinen Sauerstoff mehr, und die Zellen sterben nach und nach ab. Wie schnell ein solches Druckulkus entsteht, hängt davon ab, wo der Druck einwirkt und wie lange er anhält. Gerade beim Dauersitzen lasten erhebliche Kräfte auf dem Becken. Anhaltende Schmerzen an den Sitzbeinhöckern können deshalb ein frühes Warnsignal sein.
Wie entsteht ein Dekubitus?
Hinter der Entstehung steht ein klar nachvollziehbarer Ablauf. Lastet anhaltender Druck auf einer Körperstelle, werden die feinen Blutgefäße zwischen Knochen und Hautoberfläche zusammengepresst – ähnlich wie ein Gartenschlauch, durch den kein Wasser mehr fließt, sobald man ihn abknickt. Das Gewebe bekommt dann weder Sauerstoff noch Nährstoffe. Hält dieser Zustand an, sterben die unterversorgten Zellen ab. Schon nach etwa zwei Stunden ununterbrochenem Druck können auf diese Weise erste Schäden entstehen – oft, ohne dass an der Oberfläche bereits etwas zu sehen ist.
Wie schwer die Schädigung ausfällt, bestimmen drei Faktoren: wie hoch der Druck ist, wie lange er einwirkt und wie widerstandsfähig das Gewebe selbst ist. Dabei ist ein geringer Druck über lange Zeit genauso gefährlich wie ein sehr hoher Druck über kurze Zeit. Bereits ein Auflagedruck von mehr als 32 mmHg übersteigt den Druck in den feinen Blutgefäßen und unterbricht die Blutzufuhr. In der Praxis genügt dafür schon das Eigengewicht eines unbewegten Körperteils. Ohne Entlastung schreitet die Schädigung dann weiter fort.
Welche Körperstellen sind besonders gefährdet?
Besonders gefährdet sind die Stellen, an denen Knochen unmittelbar unter der Haut liegen und kaum durch Muskeln oder Fett gepolstert sind. An diesen sogenannten Prädilektionsstellen wird das Gewebe zwischen Knochen und Unterlage wie zwischen zwei harten Flächen eingeklemmt, sodass die Durchblutung schnell zum Erliegen kommt.
- Gesäß und Steißbein: Diese Region ist die häufigste Stelle bei Rollstuhlnutzern und allen Menschen, die viel sitzen.
- Fersen: Sie sind vor allem bei bettlägerigen Patienten in Rückenlage gefährdet, weil das Gewicht der Beine punktuell auf ihnen lastet.
- Hüften und Trochanter: Der große Rollhügel des Oberschenkelknochens ist besonders in Seitenlage stark belastet.
- Schulterblätter und Hinterkopf: Bei langer Rückenlage geraten auch diese knöchernen Vorsprünge unter kritischen Druck.
- Ellenbogen und Knöchel: Sie werden als Risikostellen oft unterschätzt, obwohl sie kaum gepolstert sind.
- Ohrmuscheln: Sie sind seltener betroffen, in Seitenlage aber durchaus relevant.
Weil das Gesäß die mit Abstand häufigste Stelle ist, steht hier eine Frage im Mittelpunkt: Wie lässt sich ein Dekubitus am Gesäß behandeln und vor allem von vornherein vermeiden?
Wie wirkt sich sitzen auf Dekubitus aus?
Im Sitzen verteilt sich das Gewicht nicht auf den ganzen Körper, sondern drückt auf eine sehr kleine Fläche. Bis zu 75 Prozent des Körpergewichts lasten auf den beiden Sitzknochen (den Tuber ischiadica) und dem umliegenden Gewebe. Dort entstehen extrem hohe Druckspitzen, die die Durchblutung von Haut und Unterhaut rasch unterbrechen können.
Bleibt diese Position lange unverändert, steigt das Dekubitusrisiko am Gesäß deutlich. Besonders gefährdet sind Rollstuhlnutzer, Menschen mit Lähmungen und alle, die ihre Sitzhaltung nicht aus eigener Kraft verändern können. Hinzu kommen Scherkräfte: Sie entstehen, wenn der Körper langsam nach vorne rutscht und sich die Hautschichten gegeneinander verschieben. Eine gezielte Druckentlastung ist beim Sitzen deshalb genauso wichtig wie im Liegen.
Hochwertige druckverteilende Sitzkissen wie die VitaL Kissen verteilen das Körpergewicht gleichmäßiger über die Sitzfläche und können so die punktuelle Belastung auf gefährdete Stellen verringern – ein sinnvoller Beitrag zur Dekubitusprophylaxe bei langen Sitzphasen.
Welche Dekubitus Grade (Stadien) gibt es?
Ein Dekubitus wird in vier Schweregrade eingeteilt, die häufig auch Stadien genannt werden. Sie unterscheiden sich vor allem darin, wie tief das Gewebe geschädigt ist. Die Einteilung folgt den international anerkannten Richtlinien von NPUAP und EPUAP, den Fachgremien für Druckgeschwüre in Nordamerika und Europa (National Pressure Ulcer Advisory Panel beziehungsweise European Pressure Ulcer Advisory Panel). Eine sorgfältige Einstufung ist wichtig, denn sie bestimmt die Therapie, die Prognose und den zu erwartenden Pflegeaufwand.
Die Spanne reicht von einer Hautrötung, die sich bei Grad 1 noch vollständig zurückbildet, bis zu einer tiefen Gewebezerstörung mit freiliegenden Knochen, Sehnen oder Muskeln bei Grad 4. Je höher der Grad, desto tiefer die Wunde und desto geringer die Chance, dass sie ohne bleibende Folgen abheilt. Während frühe Stadien bei konsequenter Entlastung noch vollständig verschwinden können, hinterlassen fortgeschrittene Grade oft dauerhafte Schäden. Die folgende Übersicht fasst die vier Grade mit ihren wichtigsten Merkmalen zusammen:
| Grad | Merkmal | Reversibilität |
|---|---|---|
| Grad 1 | Nicht wegdrückbare Hautrötung | Meist vollständig reversibel |
| Grad 2 | Teilverlust der Haut, Blase | Reversibel bei guter Versorgung |
| Grad 3 | Vollverlust der Haut bis Unterhautfettgewebe | Langwierige Heilung |
| Grad 4 | Tiefe Gewebeschädigung mit Freilegung von Knochen/Muskeln | Schwerwiegend, oft OP nötig |
1. Dekubitus Grad 1
Ein Dekubitus Grad 1 zeigt sich als nicht wegdrückbare Hautrötung (medizinisch Erythem) bei noch intakter Haut. Ob es sich um ein Warnsignal handelt, verrät der Fingertest: Drücken Sie kurz auf die gerötete Stelle. Wird die Haut dabei kurz weiß und füllt sich danach wieder mit Farbe, ist die Rötung harmlos. Bleibt sie unverändert rot, liegt ein Dekubitus Grad 1 vor. Weitere Anzeichen können eine örtliche Überwärmung, eine tastbare Verhärtung und ein Druckschmerz sein.
Bei Menschen mit dunkler, stark pigmentierter Haut stößt der Fingertest an seine Grenzen, weil das Abblassen kaum zu erkennen ist – das Risiko für höhere Stadien liegt hier nahezu doppelt so hoch. Tasten Sie deshalb gezielt ab: auf örtliche Wärme, auf eine Verhärtung (Induration), auf eine teigig-weiche Stelle sowie auf eine aschgraue oder gelblich-braune Verfärbung im Vergleich zur Haut ringsum.
Ein Dekubitus Grad 1 ist ein deutliches Alarmzeichen und verlangt eine sofortige Druckentlastung. Wird die Stelle konsequent entlastet und der Betroffene regelmäßig umgelagert, kann die Rötung innerhalb von 24 bis 72 Stunden wieder verschwinden. Ein passendes orthopädisches Sitzkissen kann dabei eine gezielte Druckentlastung beim Sitzen unterstützen und den gefährdeten Bereich am Gesäß spürbar schonen.
2. Dekubitus Grad 2
Beim Dekubitus Grad 2 ist die Haut bereits teilweise verloren: Die Oberhaut (Epidermis) und manchmal auch die darunterliegende Lederhaut (Dermis) sind geschädigt. Typisch sind oberflächliche, offene Wunden, Abschürfungen oder intakte Blasen, die mit klarer Flüssigkeit gefüllt sind. Wichtig ist hier, das Druckgeschwür von anderen Hautschäden abzugrenzen – etwa von feuchtigkeitsbedingten Schäden oder von Verletzungen, die nicht durch Druck entstanden sind.
Bei rechtzeitiger und fachgerechter Versorgung heilt ein Dekubitus Grad 2 in der Regel gut ab. Im Mittelpunkt stehen drei Maßnahmen: die konsequente Druckentlastung der Wunde, eine schonende Wundreinigung und eine geeignete, feuchthaltende Wundauflage. Je früher diese Schritte beginnen, desto geringer ist die Gefahr, dass die Schädigung tiefer ins Gewebe vordringt.
3. Dekubitus Grad 3
Ein Dekubitus Grad 3 ist durch einen vollständigen Hautverlust gekennzeichnet, der bis ins Unterhautfettgewebe (Subcutis) reicht. Die Wunde sieht aus wie ein tiefer Krater und ist häufig mit gelblichem Belag oder abgestorbenem Gewebe (Nekrose) bedeckt. Muskeln, Sehnen und Knochen sind noch nicht sichtbar. Typisch sind aber sogenannte Wundtaschen und Unterminierungen: Hier breitet sich die Schädigung unter scheinbar heilen Wundrändern in die Tiefe aus.
Ein Druckgeschwür dieses Schweregrades gehört in die Hände von geschultem Pflegepersonal oder spezialisierten Wundexperten. Zu den zentralen Maßnahmen zählen ein chirurgisches Débridement, also das Entfernen abgestorbenen Gewebes, eine konsequente feuchte Wundbehandlung und eine sorgfältige Infektionskontrolle. Die Heilung ist langwierig und zieht sich, je nach Allgemeinzustand, über mehrere Wochen bis Monate.
4. Dekubitus Grad 4
Der Dekubitus Grad 4 ist die schwerste Form eines Druckgeschwürs. Die Gewebezerstörung reicht hier bis auf Muskeln, Sehnen, Bänder oder Knochen, die offen im Wundgrund liegen. In diesem Stadium drohen ernste Komplikationen: eine Knocheninfektion (Osteomyelitis), eine lebensgefährliche Blutvergiftung (Sepsis) sowie Fisteln – das sind krankhafte Gänge zwischen Wunde und benachbarten Hohlräumen oder Organen.
Ein Dekubitus Grad 4 lässt sich meist nur noch chirurgisch behandeln. Oft sind eine Wundexzision, also das großflächige Ausschneiden des zerstörten Gewebes, und eine plastische Deckung des Defekts nötig. Die Heilung zieht sich über Monate bis Jahre. Weil dieser Schweregrad lebensbedrohlich werden kann, ist eine konsequente Vorbeugung von Anfang an entscheidend.
Was sind die Ursachen von Dekubitus?
Die Ursachen eines Dekubitus sind in der Regel vielschichtig, denn ein Druckgeschwür entsteht selten durch einen einzelnen Auslöser. Die mit Abstand wichtigste Ursache ist anhaltender Druck auf das Gewebe. Hinzu kommen weitere Faktoren wie Scherkräfte, dauerhafte Feuchtigkeit, eingeschränkte Beweglichkeit und ein schlechter Ernährungszustand. Erst im Zusammenspiel verstärken sie das Risiko erheblich – und erst wer dieses Zusammenspiel versteht, kann wirksam vorbeugen.
Fachlich unterscheidet man zwei Gruppen. Zu den äußeren (extrinsischen) Faktoren zählen Druck, Reibung und Feuchtigkeit. Die inneren (intrinsischen) Faktoren betreffen die körperliche Verfassung eines Menschen, etwa Alter, Vorerkrankungen und Ernährungszustand. Aus diesem Zusammenspiel ergeben sich sechs zentrale Risikofaktoren, die für die Entstehung eines Druckgeschwürs besonders bedeutsam sind.
1. Anhaltender Druck auf die Haut
Anhaltender Druck ist die zentrale Ursache jedes Dekubitus. Übersteigt er in den feinen Blutgefäßen den Druck von etwa 32 mmHg, kommt die Blutzirkulation zum Stillstand, und die Sauerstoffversorgung bricht zusammen. Besonders kritisch sind Situationen, in denen sich über lange Zeit nichts bewegt: stundenlanges Liegen ohne Positionswechsel, langes Sitzen im Rollstuhl oder auch längere Operationen, bei denen der Patient bewegungslos auf dem OP-Tisch liegt.
Entscheidend ist das Verhältnis von Druckhöhe und Druckdauer. Ein hoher Druck über kurze Zeit ist genauso schädlich wie ein geringer Druck über lange Zeit. Schon zwei Stunden ununterbrochener Druck können erste Gewebeschäden auslösen. Genau deshalb ist die regelmäßige Umlagerung von Risikopatienten eine der wirksamsten Schutzmaßnahmen überhaupt.
2. Reibung und Scherkräfte
Reibung entsteht, wenn die Haut über eine Oberfläche schabt, etwa über das Bettlaken oder die Sitzfläche. Davon abzugrenzen sind die Scherkräfte: Hier verschieben sich die einzelnen Hautschichten gegeneinander, sobald der Körper abrutscht – vergleichbar mit den Schichten eines Sandwichs, die auseinandergleiten. Diese Scherkräfte sind besonders tückisch, weil sie die tiefer liegenden Blutgefäße regelrecht abknicken und die Durchblutung empfindlich stören, ohne dass an der Oberfläche zunächst etwas zu sehen ist.
Typische Risikosituationen sind das Herunterrutschen im Bett bei angehobenem Oberkörper, ein unsachgemäßes Umlagern ohne Hilfsmittel wie einen Lifter, schlecht sitzende Kleidung mit Falten und Nähten sowie raue Unterlagen. Vorbeugen lässt sich durch sanftes, hebendes statt ziehendes Umlagern und durch faltenfreie Unterlagen. Wer nach einer Operation unsicher ist, findet zu sicheren Sitzpositionen und praktischen Hilfsmitteln weiterführende Hinweise, die das Risiko des Verrutschens verringern.
3. Eingeschränkte Mobilität und Immobilität
Ein gesunder Mensch verändert seine Position fortlaufend – im Schlaf und im Wachzustand etwa alle 15 Minuten, meist völlig unbewusst. Dieser ständige Wechsel verhindert zuverlässig, dass an einer Stelle gefährliche Druckspitzen entstehen. Bei eingeschränkter Mobilität fällt dieser natürliche Schutz jedoch weg, etwa durch Lähmungen, Bewusstseinsstörungen, eine Sedierung oder eine ausgeprägte körperliche Schwäche.
Zu den typischen Risikogruppen zählen Rollstuhlnutzer, bettlägerige Patienten, Menschen nach Operationen, Intensivpatienten sowie Personen mit Demenz oder neurologischen Erkrankungen. Wichtig zu verstehen: Die Immobilität selbst löst keinen Dekubitus aus. Sie verlängert aber die Zeit, in der das Gewebe ohne Pause unter Druck steht – und genau das macht sie so gefährlich.
4. Feuchtigkeit und Hautmazeration
Dauerhafte Feuchtigkeit weicht die natürliche Hautbarriere auf, ein Vorgang, den man als Hautmazeration bezeichnet. Ähnlich wie Haut, die zu lange im Wasser war, verliert die aufgeweichte Haut ihre Schutzfunktion und reißt unter Druck und Reibung leichter ein. Die häufigsten Feuchtigkeitsquellen sind Schweiß, Urin und Stuhl bei Inkontinenz sowie austretendes Wundsekret. Bleibt die Haut über längere Zeit feucht, steigt das Dekubitusrisiko spürbar.
Vorbeugen lässt sich durch eine saugfähige Inkontinenzversorgung, atmungsaktive Unterlagen, eine regelmäßige Hautpflege mit pH-neutralen Produkten und gründliches Trocknen nach jedem Waschen. Ergänzend können atmungsaktive Bezüge für Ihre Sitzkissen dazu beitragen, ein gesundes Hautklima zu bewahren. Eine bestehende Inkontinenz gilt als besonders starker Risikofaktor, der konsequente Aufmerksamkeit verlangt.
5. Mangelernährung und Flüssigkeitsmangel
Ein schlechter Ernährungszustand macht das Gewebe deutlich weniger widerstandsfähig gegen Druck. Fehlen dem Körper Proteine, Vitamine und Mineralstoffe, gerät die Zellregeneration ins Stocken, und geschädigtes Gewebe erholt sich schlechter. Typische Mängel betreffen Eiweiß, Vitamin C, Zink und Eisen. Hinzu kommt: Ausgeprägtes Untergewicht verringert das schützende Fettpolster über den Knochen, sodass der Druck noch ungebremster auf das Gewebe wirkt.
Auch der Flüssigkeitshaushalt spielt eine wichtige Rolle. Trinkt jemand zu wenig, verliert die Haut an Elastizität, und die Durchblutung verschlechtert sich. Erwachsenen wird daher eine tägliche Trinkmenge von etwa 1,5 bis 2 Litern empfohlen – sofern keine ärztliche Einschränkung dagegen spricht, etwa bei Herz- oder Nierenerkrankungen.
6. Alter und Vorerkrankungen als Risikofaktoren
Mit zunehmendem Alter verändert sich die Haut grundlegend: Sie wird dünner, verliert an Elastizität, und die Fettschicht unter der Haut, die als natürliches Polster dient, nimmt ab. Gleichzeitig heilen Wunden langsamer, und die Durchblutung lässt nach. In der Summe steigt das Dekubitusrisiko im Alter deutlich – selbst bei vergleichsweise geringer Druckbelastung.
Neben dem Alter erhöhen verschiedene Vorerkrankungen das Risiko, weil sie die Durchblutung, die Wahrnehmung oder die Heilung beeinträchtigen:
- Diabetes mellitus: Die Erkrankung stört die feine Durchblutung und verzögert die Wundheilung erheblich.
- Periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK): Die verminderte Durchblutung lässt das Gewebe schneller unterversorgt sein.
- Herzinsuffizienz: Eine geschwächte Pumpleistung des Herzens versorgt das Gewebe nur unzureichend mit Blut.
- Neurologische Erkrankungen: Sie stören das Schmerzempfinden, sodass Warnsignale gar nicht mehr ankommen.
- Anämie: Der Mangel an roten Blutkörperchen vermindert den Sauerstofftransport zum Gewebe.
Was sind die Symptome von Dekubitus?
Die Symptome eines Dekubitus fallen je nach Stadium sehr unterschiedlich aus – von kaum sichtbaren Hautveränderungen bis zu tiefen, offenen Wunden. Gerade die frühen Anzeichen sind oft unscheinbar und gehen im hektischen Pflegealltag leicht unter. Umso wichtiger ist es, die gefährdeten Stellen regelmäßig und systematisch zu beobachten, besonders bei Risikopatienten mit eingeschränkter Mobilität. Wer die typischen Anzeichen kennt und ernst nimmt, kann früh gegensteuern und Schlimmeres verhindern.
Zu den wichtigsten Warnzeichen gehören nicht wegdrückbare Hautrötungen, eine beginnende Blasenbildung, eine örtliche Überwärmung, eine tastbare Verhärtung sowie Schmerzen im betroffenen Bereich. Jedes dieser Zeichen verdient Aufmerksamkeit und sollte dokumentiert werden. Denn je früher ein beginnender Dekubitus erkannt wird, desto besser stehen die Chancen, dass er ohne bleibende Folgen abheilt.
Kann Dekubitus zu bleibenden Hautrötungen führen?
Ja. Eine nicht wegdrückbare Hautrötung ist das charakteristische Frühzeichen eines Dekubitus Grad 1. Mit dem einfachen Fingertest lässt sie sich gut einordnen: Drücken Sie kurz auf die gerötete Stelle. Eine harmlose Rötung verschwindet für einen Moment, die Haut wird blass. Eine durch Druck verursachte Rötung dagegen bleibt unverändert bestehen – ein deutliches Warnsignal für eine beginnende Gewebeschädigung.
Diese Rötung ist zunächst ein Alarmzeichen, das bei sofortiger und konsequenter Druckentlastung meist vollständig zurückgeht. Bleibt der Druck jedoch bestehen, verschlechtert sich der Zustand zwangsläufig. Aus der anfänglichen Rötung können dann dauerhaft sichtbare Hautveränderungen oder sogar offene Wunden entstehen, deren Versorgung deutlich aufwändiger ist.
Führt Dekubitus zu offenen Wunden und Blasen?
Ja, spätestens ab Grad 2 treten offene Wunden und Blasen auf. Typisch sind mit klarer Flüssigkeit gefüllte Blasen, oberflächliche Abschürfungen und nässende, offene Hautstellen. Bei höheren Graden vertieft sich der Defekt zu einem ausgeprägten Krater mit freiliegendem Gewebe. Von anderen Wunden wie Schürfwunden, Verbrennungen oder Verletzungen unterscheidet sich der Dekubitus durch seine typische Lage über einem knöchernen Vorsprung.
Jede offene Wunde ist eine Eintrittspforte für Krankheitserreger. Dringen Bakterien in das Gewebe ein, drohen örtliche Wundinfektionen, die sich im ungünstigsten Fall zu einer lebensgefährlichen Sepsis ausweiten können. Offene Dekubituswunden gehören deshalb in jedem Fall in die Hände von geschultem Fachpersonal, um Komplikationen wirksam vorzubeugen.
Ist überwärmte oder verhärtete Haut ein Warnzeichen?
Ja, eine örtliche Überwärmung und eine Verhärtung der Haut gehören zu den frühen und besonders aussagekräftigen Warnzeichen. Die Wärme entsteht durch eine beginnende Entzündung des unterversorgten Gewebes, die Verhärtung durch eine Flüssigkeitsansammlung (Ödem). Bemerkenswert ist, dass beide Anzeichen der sichtbaren Rötung sogar vorausgehen können – und damit ein noch früheres Eingreifen ermöglichen.
Deshalb sollte das gezielte Abtasten der gefährdeten Stellen fester Bestandteil jeder Dekubitusprophylaxe sein. Besonders bei Menschen mit dunkler Haut, bei denen sich Rötungen nur schwer erkennen lassen, sind Veränderungen von Temperatur und Gewebekonsistenz die entscheidenden Hinweise auf eine drohende Schädigung.
Kann Dekubitus Schmerzen im betroffenen Gewebe auslösen?
Ja, ein Dekubitus kann mit teils erheblichen Schmerzen einhergehen – und zwar schon in den frühen Stadien, in denen äußerlich nur eine Rötung sichtbar ist. Betroffene beschreiben die Beschwerden häufig als dumpfen Druckschmerz oder als brennendes, stechendes Gefühl. Charakteristisch ist, dass der Schmerz bei jeder Berührung und bei jedem Lagewechsel deutlich zunimmt.
Eine besondere Herausforderung sind Menschen, die ihren Schmerz nicht selbst äußern können, etwa bei Bewusstseinsstörungen, fortgeschrittener Demenz oder Gefühlsstörungen infolge einer Querschnittlähmung. Hier werden nonverbale Hinweise wichtig: anhaltende Unruhe, ein schmerzverzerrter Gesichtsausdruck (Grimassieren) oder ein unerklärlich erhöhter Puls.
Wie wird Dekubitus behandelt?
Die Behandlung eines Dekubitus erfolgt immer auf mehreren Ebenen und richtet sich konsequent nach dem Schweregrad. Sie verbindet mehrere Bausteine: Druckentlastung, fachgerechte Wundversorgung, Infektionskontrolle, Schmerzmanagement und eine angepasste Ernährung. Gerade die häufige Frage, wie sich ein Dekubitus am Gesäß behandeln lässt, zeigt: Es geht nie um eine einzelne Maßnahme, sondern stets um ein abgestimmtes Gesamtkonzept.
Den Ausgangspunkt jeder erfolgreichen Behandlung bildet die konsequente Entlastung der betroffenen Stelle – denn ohne Druckentlastung kann keine Wunde abheilen, so aufwändig sie auch versorgt wird. Aus diesem Grundsatz leiten sich sechs zentrale Therapiebausteine ab, die ineinandergreifen. Spätestens bei höheren Schweregraden sind dabei ärztliche und pflegerische Fachkompetenz unverzichtbar.
1. Konsequente Druckentlastung und Umlagerung
Die konsequente Druckentlastung ist die mit Abstand wichtigste Maßnahme der gesamten Behandlung, weil sie unmittelbar an der Ursache ansetzt. Als Richtwert gilt bei bettlägerigen Patienten eine Umlagerung etwa alle zwei Stunden. Das ist jedoch kein starres Schema, sondern wird individuell an Hautzustand und Risikoprofil angepasst – bei stark gefährdeten Menschen entsprechend häufiger.
In der Praxis kommen dabei verschiedene bewährte Lagerungstechniken zum Einsatz:
- 30-Grad-Schräglage: Sie schont die knöchernen Vorsprünge und verteilt den Druck auf eine größere, weichere Fläche.
- Mikrolagerung: Kleine, gezielte Positionsveränderungen verlagern den Druck immer wieder auf andere Hautareale.
- Hohllagerung: Sie entlastet einzelne, besonders gefährdete Stellen gezielt durch freies Lagern.
- Seitenlage im Wechsel: Die regelmäßige Rotation zwischen linker Seite, rechter Seite und Rückenlage verhindert eine einseitige Dauerbelastung.
2. Professionelle Wundversorgung
Die moderne Wundversorgung folgt klaren Prinzipien. Im Mittelpunkt steht die feuchte Wundheilung, die nachweislich bessere Ergebnisse erzielt als das früher übliche Austrocknen der Wunde. Hinzu kommen phasengerechte Wundauflagen, eine regelmäßige Reinigung und das Débridement, also das Entfernen abgestorbenen Gewebes. Diese Versorgung gehört zwingend in die Hände von ausgebildetem Fachpersonal, um die Heilung optimal zu fördern und Fehler zu vermeiden.
Welche Wundauflage zum Einsatz kommt, hängt vom Stadium und vom Zustand der Wunde ab:
- Hydrokolloidverbände: Sie eignen sich vor allem für oberflächliche Wunden im Stadium Grad 2.
- Schaumstoffauflagen: Sie nehmen überschüssiges Sekret aus stark nässenden Wunden zuverlässig auf.
- Alginate: Sie kommen bei tiefen, feuchten Wunden mit ausgeprägter Sekretbildung zum Einsatz.
- Hydrogele: Sie reinigen die Wunde und spenden trockenen Wunden Feuchtigkeit.
3. Infektionsschutz und Hygienemaßnahmen
Jede offene Dekubituswunde birgt ein hohes Infektionsrisiko, weil die schützende Hautbarriere durchbrochen ist. Die Folgen reichen von einer örtlich begrenzten Wundinfektion bis zur lebensbedrohlichen Sepsis, bei der sich die Erreger über die Blutbahn ausbreiten. Auf eine beginnende Infektion deuten typische Warnzeichen hin: eine zunehmende Rötung und Schwellung des Wundrandes, Eiterbildung, übler Geruch sowie Fieber.
Zur Vorbeugung sind konsequente Hygienemaßnahmen unverzichtbar. Dazu gehören streng sterile Verbandwechsel, eine gründliche Händedesinfektion vor und nach jedem Wundkontakt, das Tragen von Einmalhandschuhen und die Wundspülung mit geeigneten, gewebeverträglichen Lösungen. Liegt bereits eine ausgeprägte Infektion vor, kann zusätzlich eine Antibiotikatherapie nach ärztlicher Anordnung nötig werden.
4. Schmerztherapie
Schmerzen sollten bei einem Dekubitus systematisch und regelmäßig erfasst werden, denn nur was erkannt wird, lässt sich auch gezielt behandeln. Patienten, die sich äußern können, ordnen ihre Beschwerden mithilfe etablierter Schmerzskalen selbst ein. Bei Menschen mit eingeschränkter Kommunikation hilft die Fremdbeobachtung, etwa über die BESD-Skala. Unbehandelte Schmerzen mindern nicht nur das Wohlbefinden, sie beeinträchtigen nachweislich auch die Wundheilung.
Die Schmerztherapie verbindet örtliche und systemische Ansätze. Örtlich helfen ein besonders schonender (atraumatischer) Verbandwechsel und lokal wirksame Schmerzmittel. Reicht das nicht aus, kommen systemische Mittel nach dem WHO-Stufenschema zum Einsatz – von Paracetamol über entzündungshemmende NSAR bis hin zu Opioiden. Auswahl und Dosierung gehören grundsätzlich in ärztliche Hand.
5. Ernährungsoptimierung zur Unterstützung der Wundheilung
Eine bedarfsgerechte Ernährung unterstützt die Wundheilung erheblich, denn für neues Gewebe braucht der Körper das passende Baumaterial. Ein Eiweißmangel verzögert die Gewebeneubildung direkt, ein Mangel an Mikronährstoffen stört zahlreiche Zellfunktionen. Bei bestehenden Wunden empfiehlt sich daher eine eiweißreiche Kost mit etwa 1,2 bis 1,5 Gramm Eiweiß pro Kilogramm Körpergewicht und Tag, um die Heilung aktiv zu fördern.
Besonders wichtig für eine gute Wundheilung sind einige Nährstoffe:
- Eiweiß: der wichtigste Grundbaustein für die Zell- und Geweberegeneration.
- Vitamin C: unterstützt die Bildung von stabilem Kollagen und damit den Wundverschluss.
- Zink: fördert die Zellteilung und stärkt die körpereigene Abwehr.
- Ausreichend Flüssigkeit: sichert die Durchblutung des Gewebes und hält den Stoffwechsel in Gang.
6. Einsatz druckverteilender Hilfsmittel
Druckverteilende Hilfsmittel spielen eine zentrale Rolle – sowohl in der Behandlung eines bestehenden Dekubitus als auch in der Vorbeugung. Neben einer Antidekubitusmatratze für das Bett kommt einem geeigneten Sitzkissen besondere Bedeutung zu. Beide verteilen die Last auf eine größere Fläche, verringern die punktuelle Belastung gefährdeter Stellen und ermöglichen so ein längeres, schmerzärmeres Sitzen oder Liegen.
Die VitaL Kissen der Bärle Kissen Manufaktur sind orthopädische Sitz- und Stützlösungen „Made in Germany", die auf über 50 Jahren Erfahrung beruhen. Sie verteilen das Körpergewicht gleichmäßiger und können besonders gefährdete Bereiche wie Gesäß und Hüftregion entlasten – eine sinnvolle Ergänzung der Dekubitustherapie, ganz im Sinne des Leitgedankens „Sitzen, als ob man stehen würde".
Sitzen, als ob man stehen würde – nach diesem Leitgedanken fertigen wir seit über 50 Jahren orthopädische Kissen. Wer den Druck gleichmäßig über die gesamte Sitzfläche verteilt, statt ihn auf einzelne Körperstellen wirken zu lassen, nimmt dem Dekubitus seine wichtigste Ursache.
Manfred Bärle, Geschäftsführer Bärle Kissen Manufaktur GmbH
Das Funktionsprinzip ist dabei ebenso einfach wie wirkungsvoll: Die Kissen verteilen den Sitz- oder Lagerungsdruck gleichmäßig über eine größere Fläche und senken so die kritischen Druckspitzen an den knöchernen Stellen. Das orthopädische VitaL Sitzkissen verbindet als Kombination aus Sattel- und Keilkissen eine anatomisch durchdachte Form mit hochwertigem, formstabilem RG-60-Schaumstoff. Bei Maßen von rund 40 x 45 x 8 Zentimetern und einer Belastbarkeit bis etwa 110 Kilogramm ist es für den täglichen Gebrauch gemacht; die rutschfeste Unterseite mit Anti-Rutsch-Noppen sorgt besonders im Rollstuhl für sicheren Halt.
Eine Besonderheit ist das VitaL Hüftkissen, das zugleich als Arthrodesenkissen dient. Anders als klassische Arthrodesenkissen, die asymmetrisch aufgebaut sind – eine Seite hoch, die andere niedrig –, fällt es symmetrisch zu beiden Seiten ab. So erhalten beide Hüftseiten die gleiche, optimale Haltung, das Becken bleibt gerade, und die Lendenwirbelsäule muss keinen Beckenschiefstand ausgleichen. Damit eignet es sich besonders für Risikopatienten, etwa nach Hüftoperationen oder bei langen Sitzphasen.
- Gleichmäßige Druckverteilung: verringert die gefährlichen Druckspitzen an den am stärksten belasteten Stellen.
- Hochwertige Materialien „Made in Germany": Die Fertigung erfolgt regional und unter strengen Qualitätsstandards.
- Vielseitig einsetzbar: Die Kissen lassen sich im Bett, im Rollstuhl und auf dem Stuhl verwenden.
- Spezielle Lösungen: Für besonders gefährdete Körperregionen stehen gezielt entwickelte Modelle bereit.
- Langlebigkeit: Die Manufakturqualität sorgt für eine lange Nutzungsdauer und dauerhaften Komfort.
Für die Verordnung auf Rezept durch den Arzt und die Abrechnung über das Sanitätshaus ist zudem die Hilfsmittelnummer HMV 26.46.01.002 hinterlegt.
VitaL Steißbeinkissen – “Schmerz lass nach”
Welche Auswirkungen hat ein unbehandelter Dekubitus?
Ein unbehandelter Dekubitus kann gravierende Folgen haben – für die Gesundheit, die Lebensqualität und sogar die Überlebenschancen der Betroffenen. Was als scheinbar harmlose Rötung beginnt, kann sich binnen weniger Wochen zu einer tiefen, infizierten Wunde entwickeln. Aus einem vermeintlich kleinen Problem wird dann ein ernstes Krankheitsbild, das im schlimmsten Fall lebensbedrohliche Komplikationen auslöst und eine monatelange, aufwändige Behandlung erfordert.
Die Folgen zeigen sich auf zwei Ebenen. Örtlich drohen ausgedehnte Wundinfektionen und ein fortschreitendes Absterben des Gewebes. Im ganzen Körper können sich die Erreger über die Blutbahn ausbreiten und eine Sepsis oder eine Knocheninfektion (Osteomyelitis) auslösen. Hinzu kommt die seelische Belastung: Anhaltende Schmerzen, ein unangenehmer Geruch und der daraus folgende soziale Rückzug beeinträchtigen das Leben der Betroffenen tiefgreifend.
Über die gesundheitlichen Folgen hinaus hat ein schwerer Dekubitus, der auf eine mangelhafte oder fehlende Vorbeugung zurückgeht, in Deutschland auch eine rechtliche Seite: Vor Gericht gilt er als grober Pflegefehler. So verurteilte das Oberlandesgericht Oldenburg ein Pflegeheim wegen eines Druckgeschwürs vierten Grades am Steißbein einer Bewohnerin zu 35.000 DM Schmerzensgeld, und das Landgericht Köln sprach in einem ähnlichen Fall 17.500 Euro zu. Diese Urteile zeigen, welch hohen Stellenwert eine konsequente Vorbeugung hat – medizinisch wie rechtlich.
Die wichtigsten Komplikationen eines unbehandelten Druckgeschwürs lassen sich so zusammenfassen:
- Wundinfektionen: reichen von einer örtlich begrenzten Infektion bis zur lebensgefährlichen Sepsis.
- Osteomyelitis: Greift die Infektion auf den freiliegenden Knochen über, ist die Behandlung langwierig und schwierig.
- Chronifizierung: Aus der akuten Wunde kann eine dauerhaft nicht heilende, chronische Wunde werden.
- Gewebeverlust: Es entstehen bleibende Schäden, deren Deckung oft plastisch-chirurgische Eingriffe erfordert.
- Mortalitätsrisiko: Bei einem Dekubitus vierten Grades ist die Sterblichkeit deutlich erhöht.
- Lebensqualität: Schmerzen, Geruch und seelische Belastung führen häufig zu sozialem Rückzug und Isolation.
Wie lässt sich Dekubitus vorbeugen?
Die gute Nachricht vorweg: In den allermeisten Fällen lässt sich einem Dekubitus wirksam vorbeugen. Eine konsequente Prophylaxe ist nicht nur deutlich kostengünstiger als die spätere Behandlung – sie erspart den Betroffenen vor allem viel Leid. Studien zeigen, dass sich das Risiko durch eine konsequente Dekubitusprophylaxe um bis zu 95 Prozent senken lässt. Sie ruht auf vier Säulen: Bewegung, Druckentlastung, Hautpflege und Ernährung.
Entscheidend ist, dass die Vorbeugung bei Risikopatienten früh und strukturiert beginnt – und nicht erst auf die ersten Warnzeichen reagiert. Um das individuelle Risiko objektiv einzuschätzen, haben sich standardisierte Skalen wie die Braden-Skala oder die Norton-Skala bewährt. Auf dieser Grundlage greifen anschließend die vier Bausteine ineinander, die gemeinsam einen verlässlichen Schutz aufbauen.
Für professionell Pflegende bildet in Deutschland der Expertenstandard Dekubitusprophylaxe in der Pflege des DNQP (Deutsches Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege) die verbindliche Grundlage; aktuell gilt die zweite Aktualisierung aus dem Jahr 2017. Dieser Standard legt den Fokus bewusst auf ein systematisches Vorgehen – von der individuellen Schulung der Betroffenen über die gezielte Förderung der Eigenbewegung bis zum sachgerechten Einsatz druckverteilender Hilfsmittel.
1. Regelmäßige Lagerungswechsel und Mobilisation
Der regelmäßige Wechsel der Lagerung gehört zu den wirksamsten Schutzmaßnahmen überhaupt. Als Richtwert gilt bei bettlägerigen Patienten eine Umlagerung etwa alle zwei Stunden, die jedoch immer individuell an Risiko und Hautzustand angepasst wird. In der professionellen Pflege sind dokumentierte Lagerungspläne längst Standard, denn sie stellen sicher, dass kein Intervall vergessen wird.
Noch besser als jede passive Umlagerung ist die aktive Mobilisation: Sie reicht vom Sitzen an der Bettkante über das Aufstehen bis zum begleiteten Gehen und bringt das Gewebe wieder in Bewegung. Doch auch kleine Eigenbewegungen helfen spürbar – etwa das kurze Anheben des Gesäßes oder ein Verschieben zur Seite im Rollstuhl. Wer hier strukturiert vorgehen möchte, findet mit gezielten Übungen zur aktiven Mobilisation praktische Anleitungen, die sich gut in den Alltag einbauen lassen.
2. Druckentlastende Sitz- und Lagerungshilfen
Spezielle Sitz- und Lagerungshilfen verteilen den Druck gleichmäßig über eine größere Fläche und senken so die gefährlichen Druckspitzen an den knöchernen Stellen. Gerade bei langen Sitzphasen, wie sie für Rollstuhlnutzer oder immobile Menschen typisch sind, sind hochwertige Hilfsmittel ein wichtiger Baustein der Vorbeugung.
Die VitaL Kissen von Bärle wurden in über 50 Jahren orthopädischer Erfahrung entwickelt und werden in Deutschland gefertigt. Sie bieten eine durchdachte Druckverteilung und eignen sich besonders für Menschen mit erhöhtem Dekubitusrisiko – vom orthopädischen Sitzkissen bis zum symmetrischen Hüft-/Arthrodesenkissen.
Das Funktionsprinzip beruht auf der ergonomischen Form und auf hochwertigen, formstabilen Materialien, die das Körpergewicht gleichmäßig verteilen. So lässt sich die Belastung an Sitzknochen, Steißbein und Hüftregion spürbar verringern, und die Durchblutung der gefährdeten Hautareale bleibt eher erhalten. Ein wichtiger Unterschied zu einfachen Hilfsmitteln: Ein klassisches Keilkissen ist im Grunde nur eine schiefe Ebene – man rutscht mit der Zeit langsam nach vorne und sitzt am Ende auf dem Vorderzipfel, wodurch die Entlastung verloren geht. Die anatomische Form der VitaL Kissen mit ihrer leichten Spreizung (Abduktion) hält das Becken dagegen stabil in Position und beugt dem Vorrutschen vor.
- Gleichmäßige Druckverteilung: entlastet gezielt die besonders gefährdeten Stellen am Gesäß.
- Spezielle Modelle: Für unterschiedliche Anwendungen in Bett, Rollstuhl und Stuhl steht jeweils die passende Variante bereit.
- Qualität „Made in Germany": Die Fertigung erfolgt regional und schafft zugleich gesellschaftlichen Mehrwert.
- Langlebige Materialien: sorgen für dauerhaften Komfort über viele Jahre.
Da das Hüft- beziehungsweise Arthrodesenkissen unter der Hilfsmittelnummer HMV 26.46.01.002 gelistet ist, kann es ein Arzt auf Rezept verordnen und das Sanitätshaus über diese Nummer abrechnen.
3. Gezielte Hautpflege und Hautbeobachtung
Eine gezielte Hautpflege stärkt die natürliche Schutzbarriere der Haut. Empfehlenswert sind pH-neutrale, rückfettende Produkte, die der Haut Feuchtigkeit und Fett zurückgeben, ohne sie zu reizen. Nach dem Waschen sollten Sie die Haut sanft trockentupfen und niemals trockenrubbeln. Auf alkoholhaltige Lösungen sollten Sie verzichten, da sie die Haut zusätzlich austrocknen. Das Ziel ist ein ausgewogenes Hautklima – weder zu trocken noch zu feucht.
Mindestens ebenso wichtig wie die Pflege ist die regelmäßige Beobachtung. Kontrollieren Sie die gefährdeten Stellen täglich gründlich auf Rötungen, Überwärmung, Verhärtungen und beginnende Abschürfungen. Bei Menschen mit dunkler Haut, bei denen sich Rötungen nur schwer erkennen lassen, geben vor allem Veränderungen von Temperatur und Gewebekonsistenz wertvolle Hinweise.
4. Ausgewogene Ernährung und ausreichende Flüssigkeitszufuhr
Eine ausgewogene, eiweißreiche sowie vitamin- und mineralstoffreiche Kost macht das Gewebe widerstandsfähiger gegen Druck. Bei Risikopatienten empfiehlt sich eine tägliche Eiweißzufuhr von mindestens 1,0 bis 1,2 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht, um Haut und Unterhaut zu stärken. Lässt sich der Bedarf über die normale Ernährung nicht decken, können speziell zusammengesetzte Trinknahrungen eine sinnvolle Ergänzung sein.
Genauso wichtig ist ausreichend Flüssigkeit, denn zu wenig Trinken mindert die Elastizität der Haut und verschlechtert die Durchblutung. Als Richtwert gelten etwa 1,5 bis 2 Liter pro Tag, sofern keine medizinische Einschränkung dagegen spricht. Da ältere Menschen oft weniger Durst verspüren, hilft hier eine behutsame, regelmäßige Erinnerung ans Trinken besonders.
Wie wird Dekubitus diagnostiziert?
Die Diagnose eines Dekubitus erfolgt meist klinisch – also durch das direkte Ansehen und Abtasten der betroffenen Stelle. Geschultes Auge und geübte Hand beurteilen dabei die Beschaffenheit der Haut, das Ausmaß der Rötung, die Tiefe und Größe einer Wunde sowie den Zustand der Wundränder. Je früher ein beginnender Dekubitus erkannt und richtig eingeordnet wird, desto besser sind die Heilungsaussichten.
Das diagnostische Vorgehen folgt einer klaren Struktur: Auf die systematische Hautinspektion folgt die Einstufung nach der internationalen NPUAP/EPUAP-Klassifikation in die Grade 1 bis 4. Ergänzt wird sie durch eine sorgfältige Wunddokumentation mit Fotografie und Vermessung, die den Verlauf über die Zeit nachvollziehbar macht. Bei tiefen Wunden können weitere Untersuchungen nötig sein, etwa Abstriche bei Infektionsverdacht, Blutuntersuchungen sowie eine Bildgebung bei Verdacht auf eine Knochenbeteiligung. Im Überblick stützt sich die Diagnostik auf folgende Bausteine:
- Klinische Inspektion: Beurteilt werden Rötung, Wundtiefe und die allgemeine Beschaffenheit der Haut.
- Fingertest: Er unterscheidet die wegdrückbare von der nicht wegdrückbaren, dekubitustypischen Rötung.
- Wundklassifikation: Die Einstufung in die Grade 1 bis 4 erfolgt nach internationalem Standard.
- Wunddokumentation: Fotografie, Vermessung und Verlaufskontrolle machen Veränderungen sichtbar.
- Laboruntersuchungen: Bei Infektionsverdacht geben Abstrich und Blutwerte Aufschluss.
- Bildgebung: Bei Verdacht auf eine tiefe Beteiligung kommen MRT oder Röntgen zum Einsatz.
Fazit zu den Ursachen, Symptomen und Behandlung von Dekubitus
Ein Dekubitus entsteht durch anhaltenden Druck auf das Gewebe und wird je nach Tiefe der Schädigung in vier Grade eingeteilt. Seine Entstehung ist stets vielschichtig – sie reicht von Druck und Scherkräften über Feuchtigkeit und Immobilität bis zu Mangelernährung und Vorerkrankungen. Die Symptome spannen sich von der nicht wegdrückbaren Rötung bis zur tiefen Wunde mit freiliegenden Strukturen. Behandlung und Vorbeugung ruhen gemeinsam auf drei Pfeilern: Druckentlastung, fachgerechte Wundversorgung und druckverteilende Hilfsmittel.
Dieses Wissen lässt sich unmittelbar in den Alltag übertragen – in der häuslichen Pflege, bei der Nutzung eines Rollstuhls, in der Langzeitpflege oder in der empfindlichen Phase nach einer Operation. Wer Hautveränderungen früh erkennt, konsequent entlastet und beherzt handelt, kann den Verlauf entscheidend zum Guten wenden. Eine verlässliche Unterstützung bieten dabei die VitaL Kissen aus deutscher Manufakturfertigung, die das Körpergewicht gleichmäßiger verteilen und gefährdete Stellen gezielt entlasten können.
Häufig gestellte Fragen zu Dekubitus
Warum ist Dekubitus so gefährlich?
Ein Dekubitus kann sich rasch von einer harmlos wirkenden Rötung zu einer tiefen, offenen Wunde entwickeln. Die größten Gefahren sind Wundinfektionen, eine Sepsis, eine Knocheninfektion (Osteomyelitis) und die Chronifizierung. Bei fortgeschrittenen Stadien steigt die Sterblichkeit deutlich – weshalb eine frühe Vorbeugung lebensrettend sein kann.
Was darf man bei Dekubitus nicht machen?
Die betroffene Stelle sollten Sie keinesfalls massieren, da das den Gewebeschaden verstärkt. Tabu sind außerdem austrocknende Lösungen wie Alkohol oder Puder sowie das Föhnen der Haut. Lagern Sie den Betroffenen nicht auf der geschädigten Stelle, und verzichten Sie ab Grad 2 auf jede Eigenbehandlung – dann ist eine professionelle Wundversorgung unverzichtbar.
Wann sollte man bei einem Dekubitus zum Arzt gehen?
Bei jeder nicht wegdrückbaren Rötung, die trotz konsequenter Druckentlastung länger als 24 Stunden bestehen bleibt, ist eine ärztliche Abklärung angezeigt. Sofort ärztliche Hilfe brauchen Sie bei offenen Wunden, Blasenbildung, Infektionszeichen wie Eiter, üblem Geruch oder Fieber sowie bei starken Schmerzen im betroffenen Bereich.
Die bereitgestellten Informationen ersetzen keine medizinische Beratung und können den Besuch bei einem Arzt oder die Einnahme verordneter Medikamente nicht ersetzen.
Manfred Bärle
MEDIZINISCHER HINWEIS
Die hier beschriebenen Informationen dienen nur der Aufklärung und ersetzen keine ärztliche Beratung. Bitte konsultieren Sie bei Gesundheitsfragen immer einen Arzt. Lesen Sie hier alle rechtlichen Hinweise.
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